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diesem Zustande befindet, ihre Neigung abermals verschenke und sich
einem Freunde, der ihr angenehm und zuverlässig scheint, ohne Bedenken
überlasse.
Tritt nun aber gar wie hier der Fall ein, daß der Ehemann selbst,
seines Unrechts sich bewußt, mit ausdrücklichen Worten seiner
hinterlassenen Frau dasjenige erlaubt, was er ihr nicht verbieten kann,
so bleibt gar kein Zweifel übrig, um so mehr, da demjenigen kein
Unrecht geschieht, der es willig zu ertragen erklärt hat.
Wenn Sie mich nun, fuhr der junge Mann mit ganz andern Blicken und
dem lebhaftesten Ausdrucke fort, indem er die schöne Freundin bei der
Hand nahm, wenn Sie mich zu Ihrem Diener erwählen, so machen Sie mich
mit einer Glückseligkeit bekannt, von der ich bisher keinen Begriff
hatte. Sein Sie versichert, rief er aus, indem er die Hand küßte,
daß Sie keinen ergebnern, zärtlichern, treuern und verschwiegenern
Diener hätten finden können!
Wie beruhigt fühlte sich nach dieser Erklärung die schöne Frau. Sie
scheute sich nicht, ihm ihre Zärtlichkeit aufs lebhafteste zu zeigen;
sie drückte seine Hände, drängte sich näher an ihn und legte ihr Haupt
auf seine Schulter. Nicht lange blieben sie in dieser Lage, als er
sich auf eine sanfte Weise von ihr zu entfernen suchte und nicht ohne
Betrübnis zu reden begann: Kann sich wohl ein Mensch in einem
seltsamern Verhältnisse befinden? Ich bin gezwungen, mich von Ihnen
zu entfernen und mir die größte Gewalt anzutun in einem Augenblicke,
da ich mich den süßesten Gefühlen überlassen sollte. Ich darf mir das
Glück, das mich in Ihren Armen erwartet, gegenwärtig nicht zueignen.
Ach! wenn nur der Aufschub mich nicht um meine schönsten Hoffnungen
betriegt!
Die Schöne fragte ängstlich nach der Ursache dieser sonderbaren
äußerung.
Eben als ich in Bologna, versetzte er, am Ende meiner Studien war
und mich aufs äußerste angriff, mich zu meiner künftigen Bestimmung
geschickt zu machen, verfiel ich in eine schwere Krankheit, die, wo
nicht mein Leben zu zerstören, doch meine körperlichen und
Geisteskräfte zu zerrütten drohte. In der größten Not und unter den
heftigsten Schmerzen tat ich der Mutter Gottes ein Gelübde, daß ich,
wenn sie mich genesen ließe, ein Jahr lang in strengem Fasten
zubringen und mich alles Genusses, von welcher Art er auch sei,
enthalten wolle. Schon zehn Monate habe ich mein Gelübde auf das
treulichste erfüllt, und sie sind mir in Betrachtung der großen
Wohltat, die ich erhalten, keinesweges lang geworden, da es mir nicht
beschwerlich ward, manches gewohnte und bekannte Gute zu entbehren.
Aber zu welcher Ewigkeit werden mir nun zwei Monate, die noch übrig
sind, da mir erst nach Verlauf derselben ein Glück zuteil werden kann,
welches alle Begriffe übersteigt! Lassen Sie sich die Zeit nicht lang
werden und entziehen Sie mir Ihre Gunst nicht, die Sie mir so
freiwillig zugedacht haben!
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