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widerstreben gedachte. Die Einsamkeit und der Müßiggang, das bequeme,
gute und reichliche Leben waren ein Element, in welchem sich eine
unregelmäßige Begierde früher, als das gute Kind dachte, entwickeln
mußte.
Sie fing nun an, jedoch mit stillen Seufzern, unter den Vorzügen ihres
Gemahls auch seine Welt--und Menschenkenntnis, besonders die Kenntnis
des weiblichen Herzens zu bewundern. So war es also doch möglich,
was ich ihm so lebhaft abstritt, sagte sie zu sich selbst, und so
war es also doch nötig, in einem solchen Falle mir Vorsicht und
Klugheit anzuraten! Doch was können Vorsicht und Klugheit da, wo der
unbarmherzige Zufall nur mit einem unbestimmten Verlangen zu spielen
scheint! Wie soll ich den wählen, den ich nicht kenne? Und bleibt
bei näherer Bekanntschaft noch eine Wahl übrig?
Mit solchen und hundert andern Gedanken vermehrte die schöne Frau das
übel, das bei ihr schon weit genug um sich gegriffen hatte. Vergebens
suchte sie sich zu zerstreuen; jeder angenehme Gegenstand machte ihre
Empfindung rege, und ihre Empfindung brachte, auch in der tiefsten
Einsamkeit, angenehme Bilder in ihrer Einbildungskraft hervor.
In solchem Zustande befand sie sich, als sie unter andern
Stadtneuigkeiten von ihren Verwandten vernahm, es sei ein junger
Rechtsgelehrter, der zu Bologna studiert habe, soeben in seine
Vaterstadt zurückgekommen. Man wußte nicht genug zu seinem Lobe zu
sagen. Bei außerordentlichen Kenntnissen zeigte er eine Klugheit und
Gewandtheit, die sonst Jünglingen nicht eigen ist, und bei einer sehr
reizenden Gestalt die größte Bescheidenheit. Als Prokurator hatte er
bald das Zutrauen der Bürger und die Achtung der Richter gewonnen.
Täglich fand er sich auf dem Rathause ein, um daselbst seine Geschäfte
zu besorgen und zu betreiben.
Die Schöne hörte die Schilderung eines so vollkommenen Mannes nicht
ohne Verlangen, ihn näher kennenzulernen, und nicht ohne stillen
Wunsch, in ihm denjenigen zu finden, dem sie ihr Herz, selbst nach der
Vorschrift ihres Mannes, übergeben könnte. Wie aufmerksam ward sie
daher, als sie vernahm, daß er täglich vor ihrem Hause vorbeigehe; wie
sorgfältig beobachtete sie die Stunde, in der man auf dem Rathause
sich zu versammeln pflegte! Nicht ohne Bewegung sah sie ihn endlich
vorbeigehen, und wenn seine schöne Gestalt und seine Jugend für sie
notwendig reizend sein mußten, so war seine Bescheidenheit von der
andern Seite dasjenige, was sie in Sorgen versetzte.
Einige Tage hatte sie ihn heimlich beobachtet und konnte nun dem
Wunsche nicht länger widerstehen, seine Aufmerksamkeit auf sich zu
ziehen. Sie kleidete sich mit Sorgfalt, trat auf den Balkon, und das
Herz schlug ihr, als sie ihn die Straße herkommen sah. Allein wie
betrübt, ja beschämt war sie, als er wie gewöhnlich mit bedächtigen
Schritten, in sich gekehrt und mit niedergeschlagenen Augen, ohne sie
auch nur zu bemerken, auf das zierlichste seines Weges vorbeiging.
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