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Sie sind noch nicht lange in Ihrer Vaterstadt wiederangekommen, mein
Herr, und schon sind Sie allenthalben für einen talentreichen und
zuverlässigen Mann bekannt. Auch ich setze mein Vertrauen auf Sie in
einer wichtigen und sonderbaren Angelegenheit, die, wenn ich es recht
bedenke, eher für den Beichtvater als für den Sachwalter gehört. Seit
einem Jahre bin ich an einen würdigen und reichen Mann verheiratet,
der, solange wir zusammenlebten, die größte Aufmerksamkeit für mich
hatte und über den ich mich nicht beklagen würde, wenn nicht ein
unruhiges Verlangen zu reisen und zu handeln ihn seit einiger Zeit aus
meinen Armen gerissen hätte.
Als ein verständiger und gerechter Mann fühlte er wohl das Unrecht,
das er mir durch seine Entfernung antat. Er begriff, daß ein junges
Weib nicht wie Juwelen und Perlen verwahrt werden könne; er wußte, daß
sie vielmehr einem Garten voll schöner Früchte gleicht, die für
jedermann so wie für den Herrn verloren wären, wenn er eigensinnig die
Türe auf einige Jahre verschließen wollte. Er sprach mir daher vor
seiner Abreise sehr ernstlich zu, er versicherte mir, daß ich ohne
Freund nicht würde leben können, er gab mir dazu nicht allein die
Erlaubnis, sondern er drang in mich und nötigte mir gleichsam das
Versprechen ab, daß ich der Neigung, die sich in meinem Herzen finden
würde, frei und ohne Anstand folgen wollte.
Sie hielt einen Augenblick inne, aber bald gab ihr ein
vielversprechender Blick des jungen Mannes Mut genug, in ihrem
Bekenntnis fortzufahren.
Eine einzige Bedingung fügte mein Gemahl zu seiner übrigens so
nachsichtigen Erlaubnis. Er empfahl mir die äußerste Vorsicht und
verlangte ausdrücklich, daß ich mir einen gesetzten, zuverlässigen,
klugen und verschwiegenen Freund wählen sollte. Ersparen Sie mir, das
übrige zu sagen, mein Herr, ersparen Sie mir die Verwirrung, mit der
ich Ihnen bekennen würde, wie sehr ich für Sie eingenommen bin, und
erraten Sie aus diesem Zutrauen meine Hoffnungen und meine Wünsche.
Nach einer kurzen Pause versetzte der junge, liebenswürdige Mann mit
gutem Bedachte: Wie sehr bin ich Ihnen für das Vertrauen verbunden,
durch welches Sie mich in einem so hohen Grade ehren und glücklich
machen! Ich wünsche nur lebhaft, Sie zu überzeugen, daß Sie sich an
keinen Unwürdigen gewendet haben. Lassen Sie mich Ihnen zuerst als
Rechtsgelehrter antworten; und als ein solcher gesteh ich Ihnen, daß
ich Ihren Gemahl bewundere, der sein Unrecht so deutlich gefühlt und
eingesehen hat, denn es ist gewiß, daß einer, der ein junges Weib
zurückläßt, um ferne Weltgegenden zu besuchen, als ein solcher
anzusehen ist, der irgendein anderes Besitztum völlig derelinquiert
und durch die deutlichste Handlung auf alles Recht daran Verzicht tut.
Wie es nun dem ersten besten erlaubt ist, eine solche völlig ins
Freie gefallene Sache wieder zu ergreifen, so muß ich es um so mehr
für natürlich und billig halten, daß eine junge Frau, die sich in
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